Posaunenchor-Wochenende

Wer sind Pua und Shifra? Was passiert im alten Testament nach Josefs Tod und vor Moses Geburt? Und wie viele Kulturen verträgt ein Land?

Aber zunächst was völlig anderes: Ein Probenwochenende außerhalb der gewohnten Umgebung ist eine feine Sache. Dachte sich der Posaunenchor und fuhr von Freitag auf Sonntag ins Haus Friede in Hattingen. Da ist Platz, da werden wir verpflegt, und unser Lärm stört auch keinen. So hatten wir viel Zeit zu proben: ernsthafte Stücke verstorbener Künstler und Unterhaltungsmusik noch lebender Musiker, z.B. eine Bearbeitung des Chattanooga Choo Choo, bekannter als „Ist das der Sonderzug nach Pankow“, und „Joshua fit the battle of Jericoh“. Einiges an Material für die nächsten Gottesdienste und Freiluftveranstaltungen. Zur Erholung der Gesichtsmuskulatur zwischendurch: Spazierengehen, Wikinger-Schach, Kuchen essen. Ein, zwei Bierchen wurden wohl auch getrunken wird gemunkelt.

Aber nun zurück zu den Eingangsfragen. Pua und Shifra sind zwei in der Bibel namentlich erwähnte Hebammen, siehe 2. Mose Kapitel 1. Ihre Geschichte wird an der Schnittstelle zwischen Josef und Moses erzählt. Die beiden verweigern mutig und trickreich den Tötungsbefehl des Pharao, alle hebräischen neugeborenen Jungen umzubringen. Warum dieser Tötungsbefehl? Die Hebräer waren auf Einladung eines früheren Pharao in Ägypten. Sie waren fleißig, ihnen ging es gut. Aber sie vermehrten sich auch, und die ursprünglichen Ägypter (Bio-Ägypter?) bekamen Angst, die Kontrolle im „eigenen“ Land zu verlieren. Kommt einem das bekannt vor?

Wir näherten uns der Bibelstelle kreativ, indem wir uns überlegten, was sich in den Köpfen all der Figuren der Geschichte abspielte. Was mag der Pharao gedacht haben, was seine Beamten und was die beiden Hebammen und ihre Familien? Wir schrieben diese Ideen auf, jede und jeder in einer anderen Rolle. Anschließend lasen wir uns diese Gedanken gegenseitigvor. Wir sahen: Fremdenhass und Geschichtsvergessenheit sind keine neuen Erscheinungen. Was der Pharao besser hätte machen können, und wie verschiedene Kulturen in einem Land friedlich zusammenleben können, sind Fragen, die heute noch so akut sind wie damals./

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